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Die Farbe Deiner Socken - Ein Jahr mit Pipilotti Rist
The Colour of Your Socks - A Year with Pipilotti Rist
Interview mit Michael Hegglin
Das vollständige Interview können Sie hier nachlesen.
Birgit Kempker: Warum Pipilotti Rist? Warum Michael Hegglin?
Michael Hegglin: Als ich Pipilottis Selbstlos im Lavabad zum ersten Mal sah, wusste ich, diese Künstlerin packt mich. Später sah ich I'm not the Girl who misses much und Ever is Over All - und es kam wieder zu Explosionen. (Im Kopf? Im Herz? Irgendwo in mir.) Und als ich dann mit Pipilotti mal beruflich zu tun hatte, blieb mir der Atem weg ob so viel Mut, Offenheit und Kohärenz. Von da an hatte ich heimlich den Wunsch, über sie einen Film zu machen. Warum sie zusagte, müsste man sie selber fragen. Jedenfalls war ein Grund der, dass ihr ein Buch gefiel, das ich zusammen mit meiner Frau, Susanna Schwager, über Mexiko geschrieben hatte, und das ich ihr zum Lesen gab.
BK: Was war das - heimliche?- geheime?- Mantra während dieses Jahrs mit Pipilotti?
MH: Was ist eigentlich ein Mantra? Etwas, das man innerlich ständig betet, oder so. Lieber Gott, mach, dass... Gebetet habe ich wenig während dieses Jahres. Aber die Drehtage waren alle Geschenk. Diesem Positivdrall kann man sich nicht entziehen. Nicht: Was läuft schief? Wer ist blöd? Sondern: Wie könnten wir's noch machen? Überhaupt: Wir können etwas machen. Lass es uns tun. Oder so.
BK: Glück und Schönheit, sehen die nach diesem Jahr anders aus für Sie?
MH: I don't want to look sexy - sagt eine Frau, die nach landläufigen Begriffen sehr gut aussieht. Und tatsächlich: sie ist nie sexy drapiert, zeigt kein Décolleté, trägt keine engen Hosen, keine 'weiblichen' Röcke. Schönheit muss von innen kommen.

BK: Gab es Szenen, oder nur eine Einstellung, die Pipilotti nicht mochte? Wenn ja: gab es auch solche, wo sie sich körperlich nicht mochte?
MH: Pipilotti bat uns kein einziges Mal, irgendetwas nicht zu drehen. Sie vertraute mir total, auch meinem Kameramann, Peter Hammann. Das einzige, was wir aus dem Film herausgeschnitten haben, war eine Einstellung, in der jemand so nebenher einen Satz über ihren Spielfilm Pepperminta sagt, von dem sie sich total missverstanden fühlte. Das waren vielleicht zehn Sekunden in einem Film, der 52 Minuten dauert, und an dem ich insgesamt viereinhalb Jahre gearbeitet habe. Pipilotti beanstandete dagegen keine einzige Einstellung, von der sie fand, sie komme vielleicht optisch nicht so gut weg. Was nicht heißt, dass sie sich selbst gefiel. Im Gegenteil, es war für sie eine Tortur, sich fast eine Stunde lang selber zusehen zu müssen. Aber sie war souverän genug, zu dem zu stehen, was sie mir ganz am Anfang handschriftlich bestätigt hatte: "Ich bin dabei!! Endschnitt darf ich sehen mit Vetorecht (von dem ich wahrscheinlich sicher nicht Gebrauch mache)."
BK: Gab es mal einen Moment von Scham, haben Sie sich mal geschämt oder jemand anders?
MH: Ja, gab es. Zum Beispiel bei unserem ersten Treffen, in der obersten Etage eines Hochhauses in mexikanischen Guadalajara, wo eine Galerie untergebracht war. Ich traf Pipilotti Rist vor der Vernissage. Es war für mich ein schwieriger Moment, denn ich wollte Pipilotti, die ich bis dahin persönlich nicht kannte, davon überzeugen, beim Film mitzumachen. Wahrscheinlich um irgendetwas zu tun, was uns aus unserer Verlegenheit helfen könnte, schlug Pipilotti vor, dass wir mich mal googeln könnten, was sie sofort in Angriff nahm, in irgendeinem Büroraum der Galerie, unter uns die Lichter der einbrechenden Nacht über Guadalajara. Was da rauskam, war natürlich eher mager. Ich habe bis heute keine eigene Website und tue wenig, um meine virtuelle Präsenz anzukurbeln. Gegenüber ihren vielleicht 120'000 Einträgen fühlte ich mich als die personifizierte Bedeutungslosigkeit. Was Pipilotti sofort aktionistisch zu überspielen versuchte.

BK: Welche Szene, ob wirklich gedreht oder nur vorgestellt, vermissen Sie am heftigsten in diesem Film?
MH: Dutzende, am meisten vielleicht die von Venedig, als bei einem Essen mit 200 Leuten in einem ehrwürdigen Palazzo der Galerist Iwan Wirth zu einer Rede anhebt ("Dear Pipilotti...") und diese, geplagt von Peinlichkeit, unter den Tisch verschwindet.
BK: Welche Szene würden Sie gern in den Film einschmuggeln, wenn Sie könnten?
MH: Pipilotti liebt es, Teller leer zu schlecken. Einmal haben wir uns einen Abend lang unmöglich gemacht, weil wir das endlich im Film drin haben wollten. Sie hat uns den Gefallen nicht getan.
BK: Wer wäre Ihr(e) LieblingsdokumentarfilmerIn für eine Doku über Sie, wie Sie sind?
MH: Ich glaube, abgesehen von Pipilotti gäbe es nur noch eine Person, die weniger darauf aus ist, in einem Dokumentarfilm vor der Kamera zu stehen: mich. Wenn's kein Entweichen gäbe: Thomas Riedelsheimer (Rivers and Tides).
BK: Noch mal die Frage nach dem Mantra. Ich meine damit eher einen eigenen geheimen Satz, den Sie vielleicht nachträglich erfinden könnten, oder ihm nahe kommen.
MH: Mantra: Sie tut, was sie will.
Das vollständige Interview können Sie hier nachlesen.
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