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PHANTOM FREMDES WIEN
Österreich 1991/2004 l 27 min l 35 mm (Blow Up Super 8) l Farbe
l Deutsch (mit engl. UT)
Österreichpremiere: 21. Jänner 2004 im
Wien Museum Karlsplatz
Weltpremiere: IFF Rotterdam 2004
Konzept & Regie: Lisl
Ponger
Sound Design: Dietmar Schipek
Musik: Hakan Gürses und Viennasi MC
Produktion: Amour Fou Filmproduktion
Produzenten: Gabriele Kranzelbinder, Alexander Dumreicher-Ivanceanu
Förderungen: ORF, Wien Museum Karlsplatz, BKA.kunst, Wien Kultur
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filmo
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Ausstellungsbeteiligungen
Sommer 2008
Beyond Paradise
20. Juli- 7. September 2008
Stedelijk Museum Bureau Amsterdam
Performance and Mimicry
25. Juli- 15. August, 2008
Bodhi NewYork
Preise:
Golden Gate New Vision Award
San Francisco International
Film Filmfestival 2005
Festivals:
Dissolvenze
Film Festival Gradisca Sonderprogramm "Amour Fou Pour Vous"
30.11. - 4.12.2005
San Francisco 2005, San
Francisco International Film Filmfestival, Golden Gate Awards, 21.4.
- 5.5.2005
Paris 2005 - 27th International Film Festival Cinéma du Réel,
Spezialprogramm "Détour", 4. - 13.3. 2005
Rotterdam 2004 - 33rd International Film Festival, 21.1. - 1.2.2004
Diagonale 2004 (orig.) - Festival des österreichischen Films, 3.
- 7.3.2004
Marseille 2004 - Festival International du Documentaire, 2. - 7.7.2004
Melbourne 2004 - 53rd International Film Festival, 21.7. - 8.8.2004
Neubrandenburg 2004 - dokumentART, 5. - 10.10.2004
Montréal 2004 - Festival International Nouveau Cinéma Nouveaux
Médias, 14. - 24.10.2004
In den Jahren 1991 und 1992 hat Lisl Ponger im Zuge einer multikulturellen
Weltreise, bei der sie die Stadt Wien doch nicht verlassen hat, mit viel
Akribie Super 8-Aufnahmen von Festen, Hochzeiten und Tänzen gesammelt.
Ging es ihr zunächst um eine Sichtbarmachung von im öffentlichen Stadtbild
schlichtweg nicht existierender kultureller Vielfalt, so stellt der Rückgriff
darauf - aus gut zehnjähriger Distanz - gerade diesen Akt der Visualisierung
wieder in Frage. "Was sehe ich eigentlich?", heißt es an einer Stelle
des von Ponger selbst gesprochenen Off-Kommentars, und nicht nur daran
wird deutlich, wie bewusst sich der Film der Problematik des Umgangs mit
dem "Ethnischen" ist. Scheint doch in jedem Akt der Sichtbarmachung unweigerlich
die Tendenz mit angelegt zu sein, auch das Flüchtige und Diasporische
in ein fixes, stereotypes Bild zu bannen.
Dabei inszeniert Ponger mehrfach doppelbödig: In Form von Tagebucheintragungen
weist sie die Begegnungen mit dem Multikulti-Wien der frühen neunziger
Jahre als zutiefst subjektiv aus - jeder Form von objektiver Kategorisierung
wird von Anfang an eine Absage erteilt. Gleichzeitig macht sie sich mit
Bravour auf die diskursive Suche nach möglichen Ordnungskriterien, die
dem Karnevalesken und Überbordenden dieser Bilder irgendwie gerecht werden
und gleichzeitig dem Film eine Struktur geben könnten. Selbstreflexiv
und ironisch spielen der Kommentar und der darauf abgestimmte Schnitt
allerlei Kategorien durch, von äußerlichen Faktoren (Chronologie der Aufnahmen)
über thematische Bezüge (Kulturgeografie) bis hin zu Formfragen (Farben,
Licht-Schatten-Verhältnisse, Film-Ton) und nicht zuletzt - "sich selbst
erklärenden Kategorien" (ein als Weihnachtsmann verkleideter Finne).
Die Selbsthinterfragung mündet schließlich in ein permanentes (selbstkritisches)
Abschweifen, mit der jegliches "Framing" des Fremden hier letztlich ad
absurdum geführt wird. Gleichzeitig breitet sich unter dem ständigen Gleiten
und Entgleiten der Kategorien ein weites, differenziertes Formenspektrum
aus (Tänze, Bewegungen, Kleidung, Masken, etc.) - eine konsequente "Spektralisierung",
die das Phantom weder greifbarer noch gefügiger macht. Text:
Christian Höller
Ein taiwanesisches Tanzfest, ein nigerianischer Erntedank,
eine türkische Hochzeit, der Staatsfeiertag der Elfenbeinküste,
ein thailändisches Neujahr, ein Treffen der Roma, ein Saufgelage
unter Tschechen: Nahezu jedes Land, jede Kultur, jede Ethnie ist in einer
mitteleuropäischen Großstadt wie Wien vertreten, verfügt
über Formen und Konventionen der Zusammenkunft und der Bewahrung
von Identität. Die Menschen treffen einander in Kongresshallen und
Hinterzimmern, in Restaurants und Gotteshäusern. Lisl Ponger hat
in den Jahren 1991-92 eine systematische Suche nach dem "Fremden
Wien" unternommen. Über ihre Begegnungen hat sie ein Tagebuch
geführt.
Elf Jahre später schneidet sie aus ihrem Material einen Film, in
dem die Ergebnisse ihrer teilnehmenden Beobachtung (meistens mit einer
Super-8-Kamera, manchmal nur mit einem Tonaufnahmegerät) nach verschiedenen
Kategorien geordnet werden: Visuelle wie technische wie "anthropologische"
Motive spielen eine Rolle. Aus dem Off spricht die Filmemacherin über
ihre Ordnung der kulturellen Dinge, die sich als fundamental "zusammengesetzt"
erweist: Ein Mönch schlägt die Trommel, ein Fluß rauscht,
das Bild und der Ton entstammen unterschiedlichen Feldern. Phantom
Fremdes Wien ist die Dekonstruktion geläufiger "Völkertafeln":
Nicht die charakteristische Geste, das typische Kostüm, das unverwechselbare
Musikstück stehen im Zentrum (der Beweis für die Essenz einer
Gruppe), sondern die vielfältigen Formen des Übergangs und der
Montage. Repräsentation wird zu einem offenen Prozeß, das fremde
Wien bleibt - bei aller Nähe - ein Phantom.
Text: Bert Rebhandl
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