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Judenburg findet Stadt
Judenburg Now!


Zum Film

Vor vier Jahrzehnten hat die Fotografin, Kamerafrau und Regisseurin Elfi Mikesch ihre Heimatstadt verlassen: Judenburg, eine steirische Kleinstadt, die anders ist als andere Kleinstädte, auch wenn man es ihr nicht auf den ersten Blick ansieht. Eine Stadt mit nicht ganz 10.000 Einwohnern, eine abgewirtschaftete Industriestadt an der Mur, der langsam die Leute und das Leben abhanden kommen. Einerseits. Andererseits: Eine Stadt der Fotografie, der Musik, eine Provinzstadt, die sich der Welt öffnet. Eine Stadt, die sich an manches nicht erinnern mag und in der die Erinnerung doch zum Klingen gebracht wird, auf eine Art, die definitiv anders ist als andere Arten.

Judenburg findet Stadt ist das Dokument einer Rückkehr und eines Aufbruchs, ein sehr persönlicher und höchst politischer Film: Elfi Mikesch kommt noch einmal zurück an den Ort, an dem sie aufgewachsen ist und ihr Metier gelernt hat, die Fotografie. Sie schaut sich um, betrachtet Gebäude und Gesichter, trifft Menschen, spricht mit ihnen. Über Judenburg, über die Geschichte dieser Stadt, über ihre Fotografen, ihre Musiker. Der Schriftsteller Reinhard P. Gruber erzählt von den Fotos, die früher in den Stuben hingen und was das für die Menschen in diesen Stuben bedeutet hat; die Avantgardemusiker Andrea Sodomka und Daniel Lercher davon, wie sie die Stadt und ihre Vergangenheit in Sounds verwandeln; Passanten, Amateurfotografen und Hobbyhistoriker davon, was sie in Judenburg sehen und erleben und was es bedeutet, die Zeit und ihre Geschichte in Bilder zu bannen.

Judenburg findet Stadt sucht aber auch nach dem Neuen – und findet es, überraschenderweise. Auf ihrer Reise in die eigene Vergangenheit erkundet Elfi Mikesch auch den Aufbruch, den diese Stadt und ihre Bewohner wagen. Wagen müssen, es bleibt ihnen nicht viel anderes übrig. Die Industrie, von der die Stadt so lange lebte, ist zugrunde gegangen. Das Einkaufszentrum, das an ihrem Rand entstanden ist, macht sie nur weiter kaputt. Judenburg schaut trotzdem nach vorn, und Elfi Mikesch schaut ihm dabei zu, aus dieser seltsamen Nähe-Distanz, die nur Menschen haben, die eine Heimatstadt betrachten, die sie vor Jahrzehnten verlassen haben.

Mitten in Judenburg steht ein Turm, 76 Meter hoch, aus dem 15. Jahrhundert. In seiner Spitze befindet sich ein Planetarium. Wer hier hochkommt, lernt das In-die-Ferne-Sehen. Wer Elfi Mikesch auf ihrer Recherche begleitet, lernt näher hinzusehen. Und findet – eine Stadt.

Sebastian Hofer


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